„Wie sag ich`s meinem Schüler....“ – Interne Fortbildungen in Qingdao

Autor: qingdao Datum: Mo, 07/21/2014 - 18:13 Tags: Deutsch lernen

„Wie sag ich`s meinem Schüler....“ – Interne Fortbildungen in Qingdao

Im chinaweiten Netzwerk der Goethe-Sprachlernzentren finden regelmäßig Fortbildungen statt, an denen auch jedes Mal mindestens eine Lehrkraft aus Qingdao teilnimmt. Anschließend werden die Inhalte der Fortbildungen lokal an die anderen Teammitglieder in Qingdao im Rahmen von internen Fortbildungen weitergegeben. Der Monat Juni stand dabei ganz im Zeichen vom Thema „Lehrersprache“. Valeska Pszenny, Lehrerin am Sprachlernzentrum Qingdao, berichtet folgendes:

„Wie sag ich`s meinem Schüler....“ : Unter dieses Motto könnte man die sehr gut strukturierte Fobi von Xu Xiaolin, Lehrerin am Goethe-Sprachlernzentrum Qingdao stellen, die sie vor kurzem für all die Lehrer organisierte, die nicht selbst nach Shanghai zur Fortbildung „Lehrersprache“ fahren konnten.
Die Themen waren Lehrersprache, Feedback und Lob. Alle drei sind äußerst wichtige Unterrichtsfaktoren, werden aber viel zu häufig gar nicht erwähnt oder wahrgenommen. Dabei haben sie nicht selten einen ganz entscheidenden Einfluss auf den Lernerfolg sowohl einzelner Schüler als auch der Gruppe insgesamt. Xu Xiaolin referierte aber nicht einfach, sondern hatte abwechslungsreiche und kurzweilige Übungen für die Lehrer zusammengestellt, damit diese das Problem gleichsam aus der Schülerperspektive beleuchten konnten. Bei der A-Stufe ist ja der Wortschatz, insbesondere am Anfang, noch sehr gering, daher konnten die teilnehmenden Lehrerkollegen ihre schauspielerischen Fähigkeiten zeigen und sozusagen mit vollem Körpereinsatz alltägliche Redemittel auch nonverbal kommunizieren. Wie man die Kenntnis der wichtigsten Lehrerhinweise und -aufforderungen dann allmählich in den Unterricht einbauen kann, konnte man mit Kärtchen, Lernplakaten usw. ausprobieren und erforschen. Von der Tatsache, dass auch die schriftlichen Arbeitsanweisungen noch auf der B-Stufe gerne ignoriert werden, können die meisten Lehrer ein Lied singen. Neben dem Drill gibt es dafür auch eine lustige Methode, die Schüler zum genauen Lesen zu animieren, bevor sie mit der Arbeit beginnen und dieser Text beschert immer viel Spaß. Beim Feedbackgeben sind die Redemittel für die KTN von großer Wichtigkeit und müssen daher ausführlich vorgestellt und eingeübt werden, insbesondere in Hinsicht auf die B1-Prüfung. Hierzu wurde eine Stoffsammlung erstellt. Dieses Kapitel aus der Lehrersprache findet also auch Eingang in die Schülersprache. So lernen die KTN das Feedback bezüglich ihrer Leistung zu verstehen und können den Wortschatz auch gleich selbst anwenden, z.B. bei der Bewertung einer Präsentation. Das Loben geschieht mündlich spontan im Unterricht (natürlich auch schriftlich). Hierbei geht es um das rechte Maß. In einer lebhaften Diskussion arbeiteten die Teilnehmer Maßstäbe heraus; Lob sollte nicht "wie Kamelle unters Volk geworfen werden", denn dann verliert es seinen Wert. Lob sollte präzise sein, eindeutig, konkret, im rechten Maß und auf eine bestimmte Leistung bezogen. Um auch den Blick der KTN dafür zu schärfen, gab es eine weitere vergnügliche Aktivität. Jeder schrieb für einen anderen Teilnehmer den von Sören Schneider neu entwickelten "Goethe Verdienst- Bärchen"-Feedbackbogen. Ziel war, deutlich zu machen, dass Lob persönlich sein muss, sowohl vom Lobenden als auch vom Gelobten aus gesehen. So fand die Fobi in bester Atmosphäre einen geglückten, lustigen Abschluss, womit bewiesen wäre, dass Fobis richtig Spaß machen können.

Valeska Pszenny